Leipzig, 2016/17
workshop, performance and participative exhibition:

in cooperation with the Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig


Der Workshop wurde als ein “best practice” Beispiel für das Forschungsprojekt "Museum Global" auf der “Wem gehört das Museum” Symposium der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen vorgestellt.

Genauso wie Lebewesen haben Objekte eine Lebenslauf, einen Beginn und ein Ende. Diese Lebensläufe sind genauso verschieden wie die von uns und helfen auch uns selbst und die Rolle der Ethnologie besser zu verstehen.
Der Workshop beinhaltet zwei Stationen - zwei Räume der Interaktion. Zum einen wurde im dem Satelliten ein Raum erschlossen außerhalb des Museums. Dieser Raum ohne die strengen und exklusiven Regeln des Museums wurde ein Ort einer inhaltlichen und autoethnografischen Auseinandersetzung zu den Themen: Kolonialismus, Repräsentation, Zukunft der Ethnologie, Fremd- und Selbstbeschreibung. Mit Filmabenden, Lesungen und einer kollektiv kuratierten Ausstellung “Bring dein Ding” konnten die Teilnehmer sich dem Thema annähern und eigenen Perspektiven aktiv mit einbringen. 

Im Museum selbst wurde, in Kooperation mit der Restauration, Objekte aus dem Archiv genauer betrachtet. Anhand eines zum Teil fiktiven Fragebogen zu Objektbeschreibungen wurden Fragen beantwortet und vor allem viele neuen Fragen aufgeworfen. Der spielerische Erfahrungsprozess eröffnete die Möglichkeit selbstkritisch wissenschaftliche Standards zu hinterfragen und die subjektive Rolle zu thematisieren. Mit der gerade gemachten Erfahrung wurde ein kritischer Rundgang durch die Dauerausstellung des Museums unternommen. Ziel des Rundgang war es, neue Fragen auszuwerfen und in einer direkten Dialog mit der Ausstellung zu treten, die Sammlungsgeschichte und Ausstellungsmethoden zu verstehen und dadurch zum Teil verstummten Objekten eine neue Stimme zu geben.

In mehrere Sessions haben Karoline Schneider, Michael Dieminger, Julia Zureck und Maxie Jost innerhalb und außerhalb des Museums, im sogenannten Satelliten und mit Teilnehmer*innen Objektbeschreibungen des Fremden von ethnologischen Objekten selbstkritisch und spielerisch erfahrbar gemacht. Im Satelliten - Ort (einem Ladengeschäft) haben Beteiligten  eine auto-ethnografische Reise unternommen, indem Alltagsobjekte zu Forschungsbestände ihrer Selbst wurden. Der Workshop hatte das Ziel den Blick umzukehren: das Glas der Vitrine im Museum spiegelt den Blick zurück zum Betrachter und konfrontiert ihn mit der eigenen und neuen Perspektiven.

In einem Ethnologisches Museum bekommt die Spiegelmetapher eine andere Bedeutung mit den zahlreichen Objekte verschiedenen Kulturkreise. Die Entstehungsgeschichte dieser Museen ist stark mit dem Aufkommen des europäischen Kolonialismus verbunden. So wurde zum einen die Ethnologie und Museen genutzt um Vermittlung zwischen Kulturen zu betreiben, aber auch um wissenschaftliche Behauptung von Kulturstufen "zivilisierter" und "primitiven" Kulturen Salon fähig zu machen. Der Blick, ein eurozentristischer, lässt dabei “primitive Kulturen” entstehen und lenkt von sich selbst ab. Diese Degradierung diente und dient als Legitimation für gewaltsame Interventionen und koloniale Verbrechen. Die Ethnologie zeigt also deutlich zwei Seiten der Medaille. In dem “verkehrte Welt” Workshop wurde anhand von Objekten und deren Biografien verschiedenen Stationen der Geschichte und Fragen aufgeworfen.

 

Der Spiegel spielt sein Spiel und der Blick wird zurückgeworfen.

     Was sagt es über uns aus, indem wir fremde Objekte auf
     diese Art beschreiben?

 

Welche Geschichte erzählt das Objekt und welche Geschichten
werden ausgeklammert.?

 

    Was alles könnte und das Objekt noch erzählen?